Zweiter Akt
(Bühnenbild: Wie beim Ersten Akt. Erna sitzt immer noch auf ihrem Stuhl, liest Zeitung und schlüft immer mal wieder an ihrer Tasse, gefüllt mit Tee. Vorgang wiederholt sich, bis es klingelt.)
Erna: Wer stört? Wenn man alt ist, bekommt man immer soviel Besuch. Man hat nie Zeit für sich.
(Erna nimmt ihre Tasse in die Hand, steht vom Stuhl auf und geht zum Bühnenrand, um die Tür zu öffnen.)
Erna: Ja hallo Alfons. (Ein älterer Herr kommt auf die Bühne) Wir haben uns ja ewig nicht gesehen.
Alfons: Grüß dich, Erna.
Erna: Setz dich doch.
Alfons: Danke sehr.
(Er nimmt seinen Hut ab und fährt sich mit beiden Händen über das Gesicht.)
Erna: Geht es dir gut?
Alfons: Man wird alt. Alt und krank.
Erna: Wer sagt denn so etwas?
Alfons: Schau dich doch in den Spiegel.
(Erna steht auf, und geht zum Spiegel, der neben dem Eingang an der Wand hängt.)
Was siehst du?
Erna: Ein altes Weib, das sich soeben mit ihrer besten Freundin zerstritten hat, und es liebt ihren Tee alleine trinkt.
Alfons: Sonst nichts?
Erna: Doch, warte.
(Pause)
Da war noch etwas…
(Pause)
…ich empfange nicht gern Besuch, vorallem nicht von alten alleinstehenden Männern.
(Alfons steht vom Stuhl auf und geht auf Erna zu.)
Alfons: Erna, du weißt, wieviel wir schon gemeinsam erlebt und gelebt haben.
(Erna dreht sich zu Alfons um und streckt ihm ihre Wange hin zum Kuss)
Aber ich muss dir unbedingt etwas sagen.
(Pause)
Ich werde mein Leben nun endlich genießen.
Erna: Nun mach schon…
Alfons: Du weißt es schon?
Erna: Ja, ich hab das schon gemerkt, als du das letzte Mal mit mir im Park spazieren warst.
Alfons: Ja dann bleibt nicht mehr viel zu sagen. Genieße dein Leben. Es war immer lustig mit dir.
(lange Pause)
Ich werde dir auf jeden Fall eine Karte aus Amerika schreiben. Elionore und ich haben uns nämlich ein Haus gekauft.
(Pause. Erna geht zurück zum Tisch und setzt sich hin.)
Erna: Ich dachte sie wollte sich an Harald ranschmeißen?
Alfons: Also ich bitte dich, Harald ist Elionores jüngerer Bruder. Du solltest ihn unbedingt einmal kennenlernen. Er liebt es, Tee zu trinken.
Erna: Danke. Aber ich trinke schon immer alleine. Und das schon seit 20 Jahren. Ich brauche niemanden. Genieß du nur dein Leben.
(Beide verlassen die Bühne.)
Ende